Der Turm des KÄRNANDieser Bericht beruht auf den Erlebnissen des 02. Juli 2015, und enthält den einen oder anderen Spoiler. Lesen wie immer auf eigene Gefahr. Fans haften für Ihr Seelenwohl.

Ich durfte zwar schon am 30.06. zwei Fahrten mit den Kollegen aus den verschiedensten Fan-Foren und der Presse fahren, konnte heute aber feststellen, dass bereits in den letzten zwei Tagen serh viel optimiert wurde. So wartet der Zug nach dem Rückwärts-Freifall nicht mehr mehrere Minuten bis die Kette sich wieder in Bewegung setzte, und es wurden mehrere neue Details und Dekorationen angebracht. In Gesprächen mit anderen KÄRNAN-Überlebenden hab ich festgestellt das zu Dienstag und Mittwoch bereits sehr viel passiert, und jeden Tag sich was ändert.

Warten auf den Startschuss
Wer sich morgens vornimmt gleich zu Beginn den KÄRNAN zu bezwingen, der muss genügend Ausdauer mitbringen. Sei es, dass man gleich um 9 Uhr bis zur Öffnung der Achterbahn ansteht, oder sich allmählich zwischen 10 und 11 Uhr zu den Wartenden dazu gesellt, und die Schlangen sind lang. Heute hat sich die Schlange vom Holzbogen-Eingang über den Kungstorget bis zur Rampe der Parade ausgebreitet. Geöffnet wurde schließlich um 11 Uhr. Für eine pünktliche Öffnung um 10 Uhr war einfach nicht genug Zeit für das Wartungspersonal. Die Achterbahn ist halt einfach ein High-Tech-Monster durch und durch. Routine und Erfahrungen müssen sich langsam einspielen. Dafür hatte aber, so mein Eindruck, jeder der wartenden Verständnis für gehabt. Und so eine Testfahrt vor der eigenen sorgt ja auch für aufkommende Vorfreude. ^^Die Masse setzt sich in Bewegung
 
Als dann die erlösende Öffnung der Anstehschlange getätigt wurde, merkte man die Erleichterung bei allen Beteiligten. Schließlich wäre eine vorzeitige Downtime für viele Wartende eine herbe Entäuschung gewesen. Aber man muss dem HANSA-PARK wirklich zugute halten, dass die Achterbahn bisher ohne lange Abruchzeiten durchfuhr. So auch heute. Nicht selbstverständlich bei solch hohen und frisch programmierten Sicherheitsprotokollen wie z.B. dem Freifall-Element im Turm.
Blick auf das Herzelement
Die Masse schlängelte sich durch den Holzbogen, entlang am tiefsten Punkt des First Drops vorbei Richtung Zugbrücke. Am Holzbogen selbst werden bereits die Sensoren für die Wartezeitenberechnung eingebaut. An der Zugbrücke steht man nun vor drei Wegen. Die beiden Äusseren Wege sind als Eingang und Single Rider beschildert. Der Mittlere Dient als Fluchtweg und Ausgang für jene, die sich entscheiden das Wagnis zu einem anderen Zeitpunkt anzutreten. Die Single Rider Line wird schon jetzt gerne genutzt. Allerdings sollte man sich genau überlegen, ob man diesen Weg einschlägt. Mehrere Gruppen von 4 bis 6 Leuten wählen auch gerne die Single Rider Line und finden sich dann selbst vor einer langen Schlange wieder. Zeitersparnis findet man hier vergebens, und man muss damit rechnen nach langem Warten dann alleine zu fahren. Diesen Menschen möchte ich am liebsten hinterher rufen, sich regulär anzustellen. Aber die Zielstrebigkeit jener Gruppen deutet von einem solch festen Glauben, möglichst schnell mehrere Fahrten absolvieren zu können, dass ich das Vertrauen in Ihr Unternehmen nicht erschüttern möchte. :saint: Ich behaupte einfach mal, dass es ein Irrglaube ist. Aber auch das ist Tagesformabhängig.
Die Glocke und Rio Dorado vom KÄRNAN verdeckt
Der Blick von der Burg hinunter auf altbekanntes Terrain ist atemberaubend, und bietet soviele neue Blickwinkel. Man müsste meinen, dass man auf dem alten ehemaligen Erdhügel schon alles gesehen hat. Aber man fühlt sich bereits jetzt, trotz grauem alles dominierenden Stahlbetons, zurückversetzt in ein königliches Zeitalter. Die Festung ist einfach überwältigend, und man fühlt sich so klein im Schatten des mächtigen Turms. Mag vielleicht auch an dieser eindringlichen Musik liegen, die zu hören ist, und ein wohliges Kribbeln auf der Haut erzeugt. 8)
 
Stehen in der SonneDie Sonne hat in den letzten Tagen bereits für heiße Temperaturen gesorgt. Und ein Schuss Sonnenmilch ist sicherlich nicht verkehrt, wenn man auf die Terasse des KÄRNAN hinauf schreitet. Aber die Menschen bewegen sich in einem sehr angenehmen Tempo, und langes Stehen auf einem Fleck hab ich nicht wahrgenommen. Zügig ist man oben, und beim betreten des überdachten Abgangs hinein in die Burg umfängt einen wohlige Kühle. Nein, schweißgebadet bin ich nicht, wenn ich für den Schwur des KÄRNAN anstehe. Es sei denn, ich habe bereits zwei Stunden vor Öffnung der Attraktion angestanden, aber darüber sollte man sich dann nicht wundern. ^^
Innerhalb der Burg tauchen nach und nach neue Deko-Elemente auf. So z.B. Lampen, die an einer Stelle einen weiteren Treppenabgang beleuchten, welcher am Vortag noch als schwer einsehbar angemerkt wurde. Die folgenden Räume sind riesig und in hell erleuchtendes Blau getaucht. Kisten mit Aufschriften wie "Helsingborg" oder "Kungstorget Historika" stehen in den Räumen und bieten ersten Spekulationsstoff zu der Geschichte. Es folgt ein gewundener Treppenaufgang zu einer Tür, die sich für jeweils 16 Personen öffnet. Finden sich hier nicht passend viele Mitstreiter wird sich aus der Single Rider Line bedient. Das Ende der Single-Rider LineDieser Raum hingegen ist in ein grelles Rot getaucht. Eine Stimme wie aus einer Fernsprechanlage oder Funkgerät berichtet aufgebracht, dass man den KÄRNAN betreten hat, und sich hier merkwürdige Dinge abspielen. Eine Brille sei plötzlich gesprungen, und Gegenstände seien herunter gefallen. Deshalb drängt die Stimme dazu alle losen Gegenstände in diesem Raum zu lassen, bevor man weitergeht. Fast panisch weißt er seinen Kollegen darauf hin, auch die internationalen "Forscher" auf englisch darüber in Kenntnis zu setzen. Der Ride Op wiederholt dies im strengen Tonfall und geht kurz auf die Fragen der Mitfahrer ein. Ausnahmen wurden aber keine gemacht. Alle Gegenstände müssen in automatisch verschließbaren Sicherheitsboxen abgelegt werden. Zum Zeichen dass alle bereit sind klopft der Operator an eine weitere Tür, die sich mit viel Schwung von einem weiteren Mitarbeiter öffnet. Wie in einem Labyrinth führt man uns durch weitere Gänge hinein, in einen hell erleuchteten runden Raum mit einer hohen Kegelförmigen Decke. Ein großer Kronleuchter trohnt hoch über dem Boden. Vier Reihen mit je vier Stehplätzen befinden sich im Raum und rund herum, in die Wände eingelassen, unzählige Türen. Wassertropfen sind zu hören. Ansonsten dominiert ein tiefes Dröhnen, welches den Boden zum vibrieren bringt. Ganz klar. Hier stimmt wirklich etwas nicht. Es ist der Bann-Raum. In diesem Raum ist man dem Bann schutzlos ausgeliefert. Im ist folgezuleisten, wenn sich die Türen nach und nach öffnen, und die vier Gruppen aus vier Personen per Zufall den Türen zugewiesen werden. Kein Mensch hat hier das sagen. Der Bann entscheidet wo im Zug man sitzen wird. Und jedes mal ist es, als sitze man vorm Fernseher und schaut die Sendung 1, 2 oder 3. Ob du wirklich richtig stehst... naja, auf jedenfall mitfahren, soviel Gewissheit kann man aufbringen. Und wo im Zug man sitzt ist eigentlich völlig egal. Vorne hat man den besten Blick, wenn man überhaupt die Zeit findet sich die Landschaft anzusehen, und hinten herrscht die beste Airtime. Vor allem sind für Personen mit langen Beinen die Reihen 2, 3 und 4 optimal zum Beine ausstrecken geeignet. :thumbup:
Geheimnisvolle Kisten im Innern der FestungDie Bügel werden herangezogen und setzen sich auf den Oberschenkeln des Fahrers fest. Im Gegensatz zu den Schulterbügeln, werden hier nicht Schultern und Bauch fixiert sondern die Beine. Dadurch können auch große Menschen mitfahren, die in einem Fluch von Novgorod Sitz nicht vernünftig sitzen können, weil die Schultern im Weg sind. Ebenso können die gut bestückten Männer beim KÄRNAN Ihren Bauch geschickt auf den Schoßbügel ablegen. Aber natürlich sind dem auch hier irgendwann Grenzen gesetzt. Die Station selbst ist mit einer rustikalen Holzdecke versehen worden und weckt in einem den Eindruck eines Bergbaustollens. Blaues Licht sogrt auch hier für mystische Stimmung. Dann setzt sich der Zug in Bewegung. Nach einer scharfen Linkskurve kippt der Zug nach vorne über und taucht ins Kellergeschoss ein, kommt kurz wieder hoch um in einer weiteren Linkskurve einen weiten erleuchteten Gang zu offenbaren an dessen Ende sich der gewaltige Lift befindet. Seit heute werden hier die Banner des Königs an die Wände projeziert und bieten ein fast schon festliches Bild. Zu dumm, dass der im dunkel liegende Lift eher das gegenteilige Gefühl in einem aufsteigen lässt. Mit einem energischen Tempo zieht die Kette an und befördert den Zug hinauf. Kurz vor dem Liftende kommt der Zug zum stehen. Jeder weiß, was jetzt kommt... "23, 22, 21, und dann fällst du ungebremst in die... ach ne, falscher Freefall. :evil: Dieser ist schließlich um einiges sanfter als der Gyro Drop aus der Heide. Und im Gegensatz zu desem Mantra "Schrei wenn du kannst..." ist es bei KÄRNAN gerade zu angebracht, da man gerade ausserhalb des Turms jeden einzelnen Gefallenen deutlich hören kann.
Im Rausch der Geschwindigkeit
Der Turm wirkt wie eine übergroße Orgelpfeife mit einem enormen Resonanzkörper. So haben die Schaulustigen draussen auch was von der Weltneuheit. Nachdem der Zug immer noch deutlich über dem Bodenniveau zum stehen kommt, erfasst der Pusher, also der Mitnehmer an der Kette, heute schon in weniger als 25 Sekunden den Zug um ihn über die Kuppe zu schieben. Im Vergleich zu den mehreren Minuten, welche wir am Dienstag Abend bei der Presseveranstaltung noch ausharren mussten, wurde hier viel Optimierungszeit und Energie hinein gesteckt. Die Wartezeit im Lift wurde schon jetzt drastisch verkürzt. Ein gutes Gefühl für all jene die ungern in der Senkrechten liegen mögen.Hinauf ins Herzelement Was nun kommt haben die meisten schon seit 3 Monaten zu sehen bekommen. Doch obwohl die Fahrt von aussen eher gemütlich erscheint, ist es von Innen eine brachiale Tour von zerrender Airtime, starken Kompressionen und mörderischen Richtungswechseln. Und dabei fährt die Bahn noch unglaublich weich. Sie rüttelt und schüttelt sich an manchen Stellen, was aber bei knapp 100 Stundenkilometern wenig verwunderlich ist. KÄRNAN ist ein Monster. Es hält sich nicht an ungeschriebene Hyper-Coaster Gesetze, sondern macht sein Ding mit schnell durchfahrenen übergeneigten Kurven, erdbodennahen Richtungswechseln, einem Drift oder Trick-Track Teil, und einer fetten Portion Airtime kurz vor der Reduzierbremse. Wenn man hier angekommen ist, dann strömen die Endorphine nur so durch den Körper, und man muss einfach in den Applaus der Mitfahrer einstimmen. Was nun kommt ist für mich das Sahnehäubchen der ganzen Fahrt. Manche meinen es ist überflüsssig, ich sage aber, nach soviel Anspannung, Kompression und G-Kräfte-Einwirkung ist es das Befreienste sich bei der Heartline Roll einfach hängen und alle Glieder fallen zu lassen. Fühlt sich an wie die erlösende Dusche nach einem Saunagang. :D
Der letzte Airtime-HügelDanach ist man einfach fix und fertig, glücklich wieder angekommen zu sein, aber auch ein wenig traurig, dass man nicht einfach durch die Sation durchfahren kann. Denn zum Wiederholungstätern wird man bei KÄRNAN ganz automatisch. Noch schnell einen Blick in die neue KÄRNAN-Butiken geworfen, und zum herunter kommen eine Tüte Popcorn gekauft, welches man im übrigen fast durchs ganze Gebäude riechen kann. Mit der Tüte in der Hand geht es dann scharf nach rechts durch einen Holzbogen, auf dem in den nächsten Tagen dann wohl die Wartezeiten für KÄRNAN angezeigt werden. Nun ja, bis zum Einstieg wird die Tüte Popcorn wohl aufgegessen sein. :thumbsup: